Schlieremer Geschichte in der Sierra de Guadarrama - WAGI Museum Schlieren

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Schlieremer Geschichte in der Sierra de Guadarrama

Autor: Patrick Bigler  l
Fotos: Javier Aranguren l SWS Archiv

Rollmaterial aus Schlieren befördert seit 1923 zahlreiche Touristen in das spanische Skigebiet in der Sierra de Guadarrama. Noch heute stehen 5 Pendelzüge der Bauart Schlieren im täglichen Einsatz. Das Abenteuer begann bereits 1923 mit der Eröffnung der meterspurigen Bergbahn "Ferrocarril Eléctrico del Guadarrama". Die neugegründete Bahngesellschafft bestellte vorab in der Wagonsfabrik Schlieren ihr gesamtes Rollmaterial.


Feierliche Eröffnung der Bergstrecke im Jahre 1923. Foto ZVG

Die SWS Schlieren lieferte folglich zusammen mit der BBC Baden damals drei elektrische Triebwagen (M 101-103) und vier Anhängerwagen (R 101-104) nach Beasein in die dortige Wagonsfabrik Compañia Auxiliar de Ferrocarriles CAF. Dort wurden die Fahrzeuge mit den mitgelieferten Drehgestellen fertiggestellt.


Foto: Ablieferungsfoto M 101 (1922) SWS Archiv

Von Beasein wurde das Rollmaterial pünktlich zur Eröffnung der Bergstrecke am 12. Juli 1923 nach Cercedilla überführt.  Die Ortschaft Cercedilla liegt rund 56km von Madrid entfernt und ist gleichzeitig Ausgangspunkt der 18,2km langen Strecke nach Puerto de Navacerrada (1765 m ü. M), welche mit 1500 V Gleichstrom betrieben wird. Die Arbeiten an den Triebwagen begannen in Schlieren übrigens bereits 1922.


SWS / BBC M 103 Foto: CAF l Javier Aranguren

Bei der Ablieferung verfügten die Schlieremer Triebwagen über 72. Sitzplätze (2. und 3, Klasse). Die Tara der Triebwagen wies 34,9t auf, die Länge über Puffer: 17,5m. Beachtet man die Front und die Bauweise der Fahrzeuge, ist die Herkunft aus Schlieren nicht abzuwenden.


Foto: CAF Javier Aranguren

Auch die vier Anhängerwagen waren im klassischen Design aufgebaut und auf die Bedürfnisse der Bergbahn abgestimmt.


Abteil der 3. Klasse.

In Schlieren hatte man bereits einige Erfahrungen im Bau von Schienenfahrzeugen für Bergbahnen (z.B Chur-Arosa). Die Ingenieure und Konstrukteure der SWS konnten auf bewährte Systeme zurückgreifen.


Der Triebwagen M 102 auf Testfahrten bei der Bremgarten - Dietikon - Bahn BDB (SWS)

Getestet wurde auf dem Bremgarten -
Dietikon - Bahn Trasse

Um vorgängig die Lauffähigkeit der Triebwagen zu erproben, nutzte die SWS und die BBC anfangs 1923 das Trasse der Bremgarten - Dietikon - Bahn BDB. Die ebenfalls meterspurige Strecke entsprach zwischen Berikon-Widen und Mutschellen-Passhöhe in etwa jener der Bergstrecke Cercedilla - Puerto de Navacerrada.

Die SWS Schlieren beschäftigte sich damals mit der Weiterentwicklung einer Sicherheits-Schienenbremse nach Bauart Schlieren. Dieses System sollte auch bei den drei Triebwagen der Ferrocarril Eléctrico del Guadarrama zum Einsatz kommen. Diese Bremse wurde für Adhäsions - Bergbahnen mit schwierigen Steigungsverhältnissen geschaffen. Sie entstand erstmals im Jahre 1916 bei Bremsversuchen mit den Motorwagen der Chur-Arosa-Bahn.


Foto: Archiv SWS

Die aus der Not entstandene «Schienenbremse Schlieren», auch «Carborundumbremse» genannt, hatte sich unter den schwierigen Schienenzuständen tadellos bewährt. Bremsversuche nur mit der Carborundumbremse bei vollständig vereisten Schienen: Wagentara = 36 t, Gefälle = 60 °/00, Geschwindigkeit = 3i km/St, Zeit= 22,8 Sek., Weg = 96 m. Im Jahre 1917 wurde die «Schienenbremse Schlieren» bereits bei der Nyon- Morez - Bahn unter gleichen Verhältnissen mit demselben Erfolg eingebaut.


Spanische Touristen posieren vor dem Triebwagen M103. Foto: Javier Aranguren

Nach der Eröffnung 1923 fuhren nun die Triebwagen mit ihren Anhängerwagen, die übrigens im Volksmund liebevoll "Los Suizos" genannt wurden, auf der Strecke von Cercedilla nach Puerto de Navacerrada. Schon fast heimisch anmutend, verstehen sich die Bilder, welche zwischen 1923 und 1950 entlang der spanischen Bergstrecke entstanden sind.

Historischer Film über die Ferrocarril Eléctrico del Guadarrama

Übernahme durch die RENFE

Am 30. März 1954 ging schliesslich der Betrieb der "Ferrocarril Eléctrico del Guadarrama" in die spanische Staatsbahn RENFE über. Die RENFE betrieb somit einige Zeit ihre einzige Schmalspurstrecke. Die Schlieremer Triebwagen M-101 - 103 bekamen bei der Firma Sundsundegui inzwischen einen neuen Wagenkasten. Die Triebwagen wurden folglich umbezeichnet in 431-501 - 431 503.


Die umgebauten Triebwagen M101-103. Neuer Wagenkasten auf Schlieremer Untergestell. Bild: Martin J. Gallego

Wieder kommt Schlieren
Rollmaterial zum Einsatz

In die Jahre 1976 - 1982 fällt die Neuanschaffung der 442er Serie, Auch hierzu wurde auf die bewährte Schlieremer Bauart gesetzt. Mit einer Lizenz der SWS Schlieren, lieferte die la Maquinista Terrestre y Maritima (MTM) in Barcelona 1976 die ersten Pendelzüge der Serie 442-001 – 003 ab. Während die elektrische Ausrüstung wiederum von der BBC geliefert wurde, baute man in Barcelona den wagenbaulichen Teil nach Vorbild der LEB Triebwagen Be 4/4 26- 27,  oder der SZB Be 4/4 24 – 28.

1982 folgten noch die Nr; 442-004 - 442-006.


Ab 1976 kamen die neuen Pendelzüge nach Bauart Schlieren zum Einsatz.Foto:ZVG


Foto: Renfe

Betrieben wird die Linie als Kurs C-9. In der Wintersaison und bei ausreichend Schneefall sind die Züge in den Wintermonaten regelmässig voll besetzt. Im Einsatz stehen noch die fünf leicht modernisierten Pendelzüge der 442er Serie. Einzig der 442-003 wurde 1998 abgebrochen. Somit lebt ein Stück Schlieren in Spanien noch immer weiter.


Museum
Schweizerische Wagons- und
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Wagistrasse 13
CH-8952 Schlieren ZH

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