Das WAGI Areal - WAGI Museum Schlieren

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Herzlich Willkommen im Museum der Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren
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Die Geschichte des WAGI Areals

Von Patrick Bigler

In diesem Bereich widmen wir uns weniger der Firmengeschichte, dafür umso mehr der Arealgeschichte, Die Bauentwicklung auf dem WAGI Areal in Schlieren ist seit 1895 ein ständiger Prozess. Heute beheimatet das WAGI Areal einen innovativen Bio-Technopark und zahlreiche Forschungseinrichtungen der Universität Zürich. Start-Up Unternehmen betreiben medizinale Spitzenforschung in modernsten Gebäuden. Es ist u.a dem Gewerbe- und Handelszentrum Schlieren, kurz GHZ zu verdanken, dass das Areal heute wieder weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Doch folgen wir dem Lauf der Geschichte und kehren ins Jahr 1895 zurück, wo einst alles seinen Lauf nahm.

Die Entstehung des WAGI Areal Schlieren

Die Geburtsstunde des heutigen WAGI-Areals in Schlieren beginnt genau am 18. Mai 1895. An jenem Tag erfolgte nämlich der Spatenstich für den Bau der Luxuswagenfabrik Geissberger & Cie. Zuvor reichte Johan Caspar Geissberger am 14. März 1895 dem damaligen Gemeinderat von Schlieren ein Kaufgesuch über 39´600 m2 Landfäche ein.


Der erste Plan des WAGI Areals (1895) ausgestellt im WAGI Museum

Die Fabrik entstand südlich der Nordostbahngeleise und erstreckte sich anfänglich von der heutigen Grabenstrasse bis hin zur damals noch durchgängigen Allmendstrasse. In den Jahren 1896-97 entstand auf dem Areal eine Fabrikhalle für den Bau von Luxuskutschen und Wagenräder, dazu ein Holzlager, eine kleine Schmiederei, ein Lager sowie ein Bürowohnhaus. Die Bauarbeiten erwiesen sich damals zuerst als äusserst schwierig. Durch mehrmaliges Überfluten der noch unrenaturierten Limmat, war die Bodenbeschaffenheit alles andere als optimal. Dennoch gelang es den Arbeitern bis im August 1897 einen grossen Teil der Fabrik fertigzustellen. Nach Verhandlungen mit der damaligen Nordostbahn NOB (Vorgängergesellschaft der SBB), konnte das Fabrikgelände bereits im November 1897 mit einem eigenen Werksgleis erschlossen werden.

Das erste Bild des WAGI Areals um 1897. (Archiv WAGI Museum)

Geissberger & Cie, verfügte also ab 1897 über damals modernste Fabrikeinrichtungen, welche den Bau von seriell hergestellten Wagenräder für Kutschen und Fuhrwerke, sowie die ersten Wagenkasten für Schienengebundene Fahrzeuge und erste Autokarosserien ermöglichten, Gemäss Recherchen dürften damals rund 40 Mitarbeiter in Schlieren beschäftigt gewesen sein. Um das für damalige Verhältnisse grosszügig gestalltete Werk voll auszulasten, verlegte Geissberger auch einen Teil seiner Kutschenfabrikation vom Zürcher Seefeld nach Schlieren.

Bereits 1898 wurde das Werk um einen weiteren Holzschuppen sowie eine Abortanlage erweitert. Das Gesuch für den Bau einer eigenen Holzsägerei reichte Geissberger ebenfalls 1898 ein. Erbaut wurde diese schliesslich 1899. Im selben Jahr veränderte sich jedoch die Wirtschaftslage für Geissberger als Industrieller dramatisch, Nicht nur das seine Vision von einer seriellen Fabrikation für Kutschenräder bei der Kundschaft nur mässigen Absatz fand, machte sich zusätzlich auch die herannahende Wirtschaftskrise und die Veränderung im Mobilitätsverhalten bemerkbar. Die Absätze sanken Mitte 1899 auf einen kritischen Tiefpunkt.

Nach einem Verwaltungsratsbeschluss vom 29. November 1899 wurde schliesslich der Bau von Schienenfahrzeugen infolge der Zuhname an Bestellungen vorangetrieben. Der Bau von Luxuskutschen in Schlieren nahm nur noch eine kleine Rolle auf dem Areal ein. Dieser Entschluss war auch die Geburtsstunde der Schweizerischen Wagen & Wagonfabrik Schlieren. Mit der Erweiterung des Produktionsumfeldes folgte in den Jahren 1900 - 1901 auch die bauliche Erweiterung des Areals. So wurde bereits 1901 die Halle Gestellbau erstellt. 1904 erfolgte die Montagehalle 1.


(Archiv WAGI Museum)

Im Jahre 1905 konnte bereits die Montagehalle 2 errichtet werden und es wurde die erste Schiebebühne für Eisenbahnwagons in Betrieb genommen. Aus Aufträgen der neugegründeten Schweizerischen Bundesbahn SBB gingen nun zahlreiche Bestellungen für dreiachsige Personenwagen in Schlieren ein.


Einblick in die Montagehallen der WAGI um 1910. (Archiv WAGI Museum)

Aber auch der Bau von Motor- und Anhängerwagen für zahlreiche Strassenbahngesellschaften in der Schweiz und im Ausland brachten der "WAGI" volle Auftragsbücher. So kam es bereits 1906 zu einem weiteren Landerwerb von 37´603 m2, wodurch das Werk fast doppelt so gross wurde wie bis anhin. Mit dem Landerwerb wurden auch die Erweiterungsbauten im Werk vorangetrieben. 1907 konnte die Montagehalle 3 in Betrieb genommen. Dies hatte auch zur Folge das die Mitarbeiterzahl rasant anstieg. Um diese in Fabriknähe unterzubringen, erstellte die "WAGI" die ersten Personalhäuser (360,359, 46) neben dem Werksgelände.


(Archiv WAGI Museum)

Wiederum volle Auftragsbücher bescherten der "WAGI" zwischen 1908 und 1910 fast unaufhörliches Wachstum. Der Bedarf an neuem Rollmaterial für die Bundesbahnen und zahlreiche Privatbahnen war enorm. Der Bau weiterer Montagehallen und Anbauten lässt das Werk bereits um 1910 zu einem der grössten Industriebetriebe im oberen Limmattal heranwachsen. Es werden zusätzlich ein Ölkeller sowie ein weiteres Magazingebäude erbaut. 1913 erfolgt der Neubau der grossen Schmiede.


Neubau der WAGI Schmide zwischen 1912 und 1913 (Archiv WAGI Museum)

Die Hochkamine stehen für die Blütezeit der Industriealisierung, welche nun dank der "WAGI" auch in Schlieren im vollen Gange war. Zählte die Gemeinde Schlieren 1895 noch rund 900 Einwohner, stieg die Einwohnerzahl infolge Zuzug der Fabrikarbeiter der "WAGI" und dem Gaswerk im Jahre 1915 auf fast 2500 an. 1917 wird nach einer Übernahme der Aufzugsabteilung der ARSAG Seebach auch die Produktion von Aufzügen in die WAGI Schlieren verlegt Das zweite grosse Standbein des Unternehmens war geboren. Wiedrum müssen weitere Fabrikhallen erstellt werden um den Winden- und Kabinenbau einzubinden.


Luftaufnahme des WAGI Areals um 1923 (Archiv WAGI Museum)


Das Werk um 1923. Bereits umfasst das Areal rund 120`000 m2 (Archiv WAGI Museum)


(Archiv WAGI Museum)

In die 1920er Jahre fallen schliesslich die Bauten weiterer Montagehallen, Personalhäuser, einer Personalkantine und ein weiterer Landerwerb von 112`000 m2 Landfläche bis an den Anschluss Gasometerbrücke. Die Krise nach dem ersten Weltkrieg war vorerst überstanden und das Werk war wieder in seiner vollen Prosperität. Die ersten Jahre der Weiterentwicklungen im Aufzugsbau und die gute Auftragslage im Wagonbau liesen keinen Wachstumsstopp erahnen.


1923 ist die erste Schiebebühne West (1905) mit den neuen Montagehallen verbunden. (Archiv WAGI Museum)

1927 wurde der Bau des Gussmagazins und der Neubau der Halle Kabinenbau abgeschlossen, Bereits 1928 musste das Bürogebäude an der heutigen Grabenstrasse erweitert und Aufgestockt werden. Ebenso wurde die Schreinerei massiv vergrössert und erhielt im selben Jahr einen Neubau. Der Südliche Teil der Halle Gestellbau erfolgte 1930.


(Archiv WAGI Museum)


(Archiv WAGI Museum)


(Archiv WAGI Museum)

Ein für Schlieren spektakulärer Neubau wurde 1930 am Haupteingang West errichtet, Nach einem Entscheid der Geschäftsleitung wurde der 1928 von der ersten Schweizer Architektin "LuxGuyer" entworfene Saffa-Turm von Bern nach Schlieren transportiert und als als Versuchsturm für Aufzugsanlagen in Betrieb genommen. Somit entstand mit 30,5m Höhe das vorerst höchste Gebäude in Schlieren südlich der Bahnlinie.


Galt lange Zeit als "Heimliches Wahrzeichen" der Stadt Schlieren. Der WAGI Turm. (Archiv WAGI Museum)

Wiederum erwab die "WAGI" 1931 weitere Landstücke entlang der heutigen Zürcherstrasse. Darauf wurden die Personalhäuser 52, 54, 56, 58, 60, 62 errichtet. Zwischen 1932 und 1938 wurde die Verlängerung der Halle Gestellbau für den nördlichen Teil in Angriff genommen. Auch der Spritzraum genügte den Anforderungen und dem Auftragsvolumen nicht mehr, weshalb auch dieser 1938 verlängert wurde,



Die WAGI nach 1931. Die Fabrik wächst immer weiter. (Archiv WAGI Museum)

Mittlerweile entwickelte die "WAGI" in Schlieren die ersten Leichtstahlwagen für die SBB. Ein Meilenstein in der damaligen Entwicklung im Schienenfahrzeugbau, welcher über die Landesgrenzen hinaus seine Wellen schlug. Sogar in Indien bestellte man Reisezugwagen der neuen Bauart Schlieren,


(Archiv WAGI Museum)

Auch dieser Erfolg blieb nicht ohne weitere baulichen Massnahmen für das Fabrikareal, welches mittlerweile das Bild der Stadt Schlieren massgeblich prägte, 1941 starteten die Arbeiten für den Anbau des Verwaltungsgebäude (Etappe 2). Auch die Eröffnung der Montagehalle 7 (Punktschweisserei) fällt in diesen Abschnitt.




Hinter der Halle Kastenbau entstehen die neuen Fabrikhallen. (Archiv WAGI Museum)


(Archiv WAGI Museum)

Der zweite Weltkrieg wirkte sich nicht nur auf die Fabrikationen der WAGI aus, sondern auch unmittelbar auf den Werksbau. Der Mangel an Rohstoffen und die veränderten Arbeitszeiten hatten unmittelbaren Einfluss auf das Areal. Die WAGI musste Kriegsbedingt in den Abendstunden jeweils abgedunkelt werden, es durfte also nur während den Tagesstunden im Werk gearbeitet werden. Durch diese Einflüsse konnten im Zeitraum zwischen 1942 und 1945 lediglich eine Blechschlosserei und die Erweiterungen der Montagehallen 9 und 10 umgesetzt werden.


Situationsplan der WAGI aus dem Jahre 1941 (WAGI Museum)


Anbau an die Finissage Halle (Links) (Archiv WAGI Museum)


Schiebebühne 58 und Lagerhochbau (Heutige Wagistrasse 13). (Archiv WAGI Museum)


1960 - Das WAGI Areal in Blickrichtung Osten. (WAGI Museum)

Mittlerweile sind im Werk in Schlieren rund 2500 Personen beschäftigt. Der Wachstum im Bereich des Fahrtreppenbau führt 1963 dazu, dass eine weitere Halle speziell für den Fahrtreppenbau dazukommt. Die Halle Rolltreppenbau entsteht am östlichen Ende des Werkareals. Wiederum müssen im selben Jahr die Verwaltungsgebäude an der Grabenstrasse aufgestockt werden und der Bau des Bürohochhauses an der Grabenstrasse wird in Angriff genommen.


1963 - Bau des Bürohochhauses an der Grabenstrasse (WAGI Museum)


1968 - Der Anbau der Lehrlingswerkstatt bei der Detailfabrik (WAGI Museum)

1967 erhält der Haupteingang an der Grabenstrasse eine neue Portierlonge. Zusätzlich wird die Portierlonge an der Zürcherstrasse ausgebaut. Besonders gewichtig in diese Jahre fällt der Anbau einer zwischenhalle mit Spritzboxen für die Behandlung von ganzen Wagenkasten bis zu 26 Meter. Im Jahre 1968 wird noch der Anbau mit den Lehrlingsräumen bei der Detailfabrik fertiggestellt.

1971-72 werden nochmals zwei weitere Hallen für Spedition angebaut. Eine Garage für die Elektrofahrzeuge erbaut, sowie eine Überdachung zwischen der Heizzentrale und der Sanderei erstellt.



1974 - Die Halle Fahrtreppenbau und im Vordergrund der Portalkran. (WAGI Museum)


1974 Blick auf die Montagehallen 1,2,4,5 sowie die Malerei, (WAGI Museum)


1980 - Das Werk in  Blickrichtung Westen (WAGI Museum)


1981 - Das WAGI Areal prägt nach wie vor das Schlieremer Stadtbild. (WAGI Museum)

Nach 1980 macht sich eine betrübte Stimmung im Werk bemerkbar. Der Bereich Wagonbau muss infolge Ausbleiben eines Auftrags der SBB teilzeitarbeit einführen und kann nur noch Revisionsarbeiten leisten. Der Bereich Fahrtreppenbau wird durch Schindler nach Wien ausgelagert. Allgemein machen erste Schliessungsgerüchte die Runde. Auch baulich folgt zwischen 1980 und 1983 nichts nennenswertes mehr.

Das Ende der WAGI


August 1985 - Die Ära WAGI ist zu Ende. Das Werk wird geschlossen (WAGI Museum)

Bereits 1983 wurde durch den Schindler-Konzern die Schliessung der WAGI bekanntgegeben. 1985 schlossen die Tore für immer. Grosse Teile des WAGI Areals wurden in der damals grössten Flächensprengung der Schweiz dem Erdboden gleichgemacht. Näheres dazu findest Du im Bereich Firmengeschichte







Das Areal wird innert kürzester Zeit gesprengt und abgebrochen. Nur wenige Bauten bleiben vorerst erhalten. Noch vor der Schliessung 1985 bildete sich die Offene Planungsgruppe SWS, welche u.a die Wiederansiedelung von Industriebetrieben im Areal verlangte.






Bilder Abbruch (WAGI Museum / VHS)

Museum
Schweizerische Wagons- und
Aufzügefabrik AG Schlieren

Wagistrasse 13
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